Schutzanzug-Leistungstest: Wenn körperliche Belastung auf taktisches Können trifft

Drei Feuerwehren des Abschnitts St. Pölten-Stadt stellten sich einem anspruchsvollen Leistungstest unter Schutzstufe 3. Körperliche Ausdauer, taktisches Vorgehen und die Zusammenarbeit der Trupps standen dabei im Mittelpunkt.

Am Samstag, dem 10. Oktober 2026, veranstaltete das Abschnittsfeuerwehrkommando St. Pölten-Stadt in der Feuerwehrzentrale St. Pölten-Stadt einen Schutzanzug-Leistungstest der Schutzstufe 3. Ziel war es, die körperliche Belastbarkeit der Schutzanzugträger zu überprüfen und gleichzeitig das taktische Vorgehen bei Schadstoffeinsätzen unter möglichst realitätsnahen Bedingungen zu festigen.

Sämtliche Feuerwehren des Abschnitts wurden im Vorfeld zur Teilnahme eingeladen. Schlussendlich stellten sich Mitglieder aus drei Feuerwehren dieser besonderen Herausforderung.

Körperliche Belastung unter erschwerten Bedingungen

Der Leistungstest war in zwei aufeinander aufbauende Teile gegliedert, wobei die Anforderungen an die Teilnehmer schrittweise gesteigert wurden.

Zu Beginn galt es, einen körperlich anspruchsvollen Parcours unter vollständiger Schutzausrüstung zu bewältigen. Dieser umfasste einen Fußmarsch über das gegenüber der Feuerwehrzentrale gelegene Parkdeck, das Aufrollen von Feuerwehrschläuchen, das Tragen von Kanistern sowie verschiedene Arbeiten an einem Schraubengestell.

Was unter normalen Bedingungen zu den alltäglichen Tätigkeiten eines Feuerwehrmitgliedes zählt, wird in einem gasdichten Chemikalienschutzanzug zu einer besonderen Herausforderung. Das eingeschränkte Sichtfeld, die verminderte Bewegungsfreiheit und die zunehmende körperliche Beanspruchung verlangen den Einsatzkräften einiges ab.

Neben Ausdauer und Kraft waren daher auch Geschicklichkeit, Konzentration und ein bewusster Umgang mit den eigenen körperlichen Leistungsgrenzen gefragt.

Zwei realitätsnahe Einsatzszenarien

Nach Abschluss des körperlichen Belastungsparcours erhielten die Teilnehmer eine Erholungspause, bevor der zweite Teil des Leistungstests mit zwei realitätsnahen Einsatzszenarien fortgesetzt wurde.

Die Zusammensetzung der beiden Schutzanzugtrupps blieb unverändert. Allerdings wurden die Aufgaben zwischen den Szenarien getauscht. Dadurch konnte jeder Trupp sowohl die Erkundung als auch die Abdichtung einer Leckage praktisch durchführen.

Szenario 1 – Ammoniakaustritt mit vermisster Person

Die erste Übungsannahme stellte einen Ammoniakaustritt dar, bei dem sich noch eine vermisste Person im Gefahrenbereich befand.

Der erste Schutzanzugtrupp wurde mit der Erkundung der Einsatzstelle sowie der Suche und Rettung der vermissten Person beauftragt. Anschließend übernahm der zweite Trupp die Lokalisierung und Abdichtung der Leckage, um einen weiteren Austritt des angenommenen Gefahrstoffes zu verhindern.

Szenario 2 – Gefahrstoffaustritt bei einer LKW-Anlieferung

Beim zweiten Szenario wurde ein Zwischenfall während einer Gefahrstoffanlieferung simuliert. Ein LKW-Lenker wollte Gefahrstoffbehälter mithilfe eines Hubwagens über die Ladebordwand seines Fahrzeuges entladen. Während ein größeres Fass ordnungsgemäß gesichert war, kippte beim Entladevorgang ein kleinerer Gefahrstoffbehälter um, wodurch eine Leckage entstand und Flüssigkeit austrat.

Bei diesem Szenario wurden die Aufgaben der beiden Schutzanzugtrupps getauscht. Der nun für die Erkundung zuständige Trupp übernahm die Beurteilung der Schadenslage sowie die Sicherung des LKW-Lenkers. Der nachfolgende Trupp wurde mit der Abdichtung der Leckage und der Eindämmung des Gefahrstoffaustrittes beauftragt.

Durch diesen gezielten Aufgabenwechsel konnten beide Trupps unterschiedliche Tätigkeiten im Schadstoffeinsatz durchführen und wertvolle praktische Erfahrungen sammeln.

Kommunikation als entscheidender Erfolgsfaktor

Ein wesentlicher Schwerpunkt des Leistungstests lag auf der Kommunikation zwischen den eingesetzten Schutzanzugtrupps und der strukturierten Übergabe der gewonnenen Erkenntnisse.

Gerade bei Schadstoffeinsätzen ist es entscheidend, dass Erkundungsergebnisse, erkannte Gefahren und bereits gesetzte Maßnahmen vollständig und verständlich an den nachfolgenden Trupp weitergegeben werden.

Durch den gezielten Wechsel der Aufgaben zwischen den beiden Einsatzszenarien konnten die Teilnehmer sowohl die Rolle des erkundenden als auch jene des nachfolgenden, mit der Abdichtung beauftragten Trupps kennenlernen.

Dabei stand nicht nur die sichere Durchführung der einzelnen Arbeitsschritte im Vordergrund, sondern auch das Verständnis für die Aufgaben des jeweils anderen Trupps. Eine funktionierende Zusammenarbeit und klare Kommunikation sind schließlich wesentliche Voraussetzungen für einen erfolgreichen und sicheren Schadstoffeinsatz.

Zusammenarbeit im Schadstoffdienst

Die Aufgaben im Schadstoffdienst sind im Abschnitt St. Pölten-Stadt klar aufgeteilt. Während die Schadstoffgruppe bei der Freiwilligen Feuerwehr St. Pölten-Stadt angesiedelt ist, liegt die Verantwortung für die Dekontaminationsgruppe (DEKO-Gruppe) beim Abschnittsfeuerwehrkommando St. Pölten-Stadt.

Da jedoch auch in anderen Feuerwehren des Abschnitts ausgebildete Schutzanzugträger vorhanden sind, möchte das Abschnittsfeuerwehrkommando diesen Kameraden ebenfalls die Möglichkeit bieten, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten regelmäßig aufzufrischen und zu festigen.

Aus diesem Grund soll künftig einmal jährlich ein Schutzanzug-Leistungstest angeboten werden. Dabei steht nicht der Wettbewerbsgedanke im Vordergrund, sondern die Möglichkeit, unter realitätsnahen Bedingungen Erfahrungen zu sammeln, die körperliche Belastbarkeit zu überprüfen und die Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren zu stärken.

Gerade bei seltenen Einsatzsituationen ist es wichtig, vorhandenes Fachwissen zu erhalten und die Einsatzbereitschaft der ausgebildeten Schutzanzugträger langfristig sicherzustellen.

Spezialausbildung darf nicht in Vergessenheit geraten

Auch wenn größere Schadstoffeinsätze glücklicherweise nur selten vorkommen, dürfen die dafür notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten nicht verloren gehen. Gerade seltene Einsatzsituationen erfordern eine besonders gewissenhafte Vorbereitung, da im Ernstfall oftmals keine Zeit bleibt, grundlegende Abläufe erst wieder aufzufrischen.

Abschnittssachbearbeiter Schadstoff VI David Rausch zeigte sich über die Teilnahme und das Engagement der Kameraden erfreut:

„Es freut mich besonders, dass sich weiterhin Kameraden finden, die bereit sind, sich einer anspruchsvollen Spezialausbildung zu stellen und dafür auch ihre Freizeit investieren. Gerade weil Schadstoffeinsätze glücklicherweise selten geworden sind, dürfen wir die Ausbildung in diesem Bereich nicht vernachlässigen. Im Ernstfall müssen die Abläufe funktionieren und sich die Trupps aufeinander verlassen können.

Mit diesem jährlichen Leistungstest möchten wir auch jenen Schutzanzugträgern, die nicht unmittelbar der Schadstoffgruppe angehören, eine Möglichkeit bieten, ihre Ausbildung aufrechtzuerhalten. Denn Spezialwissen, das nicht regelmäßig angewendet wird, geht mit der Zeit verloren.“

Der Schutzanzug-Leistungstest zeigte eindrucksvoll, dass neben der technischen Ausbildung vor allem körperliche Belastbarkeit, Kommunikation und Teamarbeit entscheidende Voraussetzungen für einen erfolgreichen Schadstoffeinsatz sind.

Mit der geplanten jährlichen Durchführung möchte das Abschnittsfeuerwehrkommando St. Pölten-Stadt einen weiteren Beitrag zur langfristigen Sicherstellung der Einsatzbereitschaft und zum Erhalt des Spezialwissens innerhalb des Abschnitts leisten.

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